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24.05.2012 15:00

Mariki vom BÜCHERWURMLOCH füllte unseren Lückentext aus.

1. Ich bin „süchtig nach Büchern“ und ich liebe es, „ein neues Buch in die Hand zu nehmen, aufzuschlagen, den ersten Satz zu lesen, die erste Seite – und abzutauchen in ein unerwartetes, spannendes, heiteres, berührendes Abenteuer.

2. Ich blogge über „Bücher“, weil „ich meine Meinung dazu kundtun und mich mit anderen Lesern austauschen möchte. Und weil ich guten Büchern helfen will, viele Leser zu finden.

3. Beeinflusst haben mich Autoren, wie „John Irving“ oder „Arundhati Roy“, denn „von Irving war ich lange ein großer Fan, er hat meinen Lesehumor und meine Erwartungen an eine skurrile Geschichte geprägt, und „The God of Small Things“ von Arundhati Roy gehört zu den schönsten Büchern, die ich je gelesen habe. Dieses Buch war der Wendepunkt, als ich 15 war, denn es führte mich endgültig weg von Fantasy, Biografien und Kleinmädchenromanen hin zu „richtiger“ Literatur.

4. Das Buch „Pferde stehlen von Per Petterson“ hätte ein literarischer Bestseller werden sollen.

5. Ich würde nie über „Vampirgeschichten, Chicklit und Sci-Fi“ schreiben.

6. Mein Lieblingsverlag unter den Unabhängigen ist „die Frankfurter Verlagsanstalt. Das Buch „Mein sanfter Zwilling“ von Nino Haratischwili war für mich das beste Buch des Jahres 2011, es hat mich komplett überwältigt“.

»Ich wollte von dieser Welt erzählen«

29.02.2012 11:23

Constantin Göttferts düster funkelnder Roman: Satus Katze (Bild: Hisashi)

Was geschieht hier? Ein junger Student sitzt im Caféhaus in Wien und wird durch das Bild einer schwarzen Katze und eine finnisch sprechende junge Dame an ein unerhörtes Erlebnis aus seiner Vergangenheit erinnert – dann beginnt er zu erzählen…

Constantin Göttfert hat einen düster funkelnden, präzise konstruierten Roman geschrieben: In »Satus Katze« stößt ein junger Österreicher auf eine komplexe Familiengeschichte, der er sich bald nicht mehr entziehen kann. Und immer wieder taucht eine mysteriöse schwarze Katze auf, die nichts Gutes verheißt. Im Interview erzählt er, wie »Satus Katze« entstanden ist.

Lieber Constantin, wenn man dein Buch liest, bekommt man ein anderes Bild von Katzen. Eine schwarze Katze und die finnische Mythologie spielen dabei eine große Rolle. Wie bist du auf dieses Thema gekommen?

Mit der finnischen Mythologie bin ich schon während meines Aufenthaltes in Finnland vor zehn Jahren in Berührung gekommen. Ich war fasziniert von den Geschichten der Helden, die so anders waren als die Sagen, die ich aus meiner Heimat kannte. Das »Kalevala« ist auch ein sehr lustiges Epos mit grotesken und im wahrsten Sinne zauberhaften Ideen. In einer Szene fischt eine Mutter mit einer Harke die Leichenteile ihres Sohnes aus dem Totenfluss und näht sie am Ufer wieder aneinander. Der Sohn beginnt wieder zu leben, rennt ihr aber gleich wieder davon, um sich erneut in Lebensgefahr zu bringen.

Auf die Katze kam ich ursprünglich auch durch ihre Erwähnung im »Kalevala« – im Vergleich zur christlichen Darstellung ist sie dort ein riesiges Tier, das einen Wagen mit Gefangenen zieht. Ich wollte dann eine Verbindung von der Katze im Kalevala und jener in christlichen Vorstellungen finden. Bei der Lektüre von christlichen Texten aus der frühen Neuzeit haben sich dann immer weitere Ideen entwickelt.

Man lernt viel über Finnland, wenn man »Satus Katze« liest, bekommt aber auch ein zwiespältiges Bild dieses Landes, das landschaftlich schön, aber auch bitterkalt und unwirtlich ist. Wie ist dein Verhältnis zu Finnland?

Meine Zeit in Finnland vor fast zehn Jahren war eine ganz wunderbare Zeit. An die Dunkelheit gewöhnt man sich, auch an die Kälte. Eine Frau, die ich dort kennenlernte, hat mir immer wieder vom Ort ihrer Kindheit erzählt. Eines Tages sind wir dort hin gefahren: Es waren zwei Holzhütten an einem See dutzende Kilometer tief im Wald, kein Strom, keine Müllabfuhr, kein fließendes Wasser. Natürlich waren da ganz andere Gefahren präsent als in meiner Kindheit: Es gab die Erzählung von Elchen, die im Frühjahr vor Wolllust die Wohnungstüren einrennen, von Bären, die frühmorgens auf der Suche nach Nahrung über die Terrasse streifen, Wasserschlangen, die Kälte, usw. Dieses Aufwachsen in ständigem Kontakt mit der Natur, also auch in Kontakt mit ihren Gefahren, hat mich fasziniert. Ich wollte von dieser Welt erzählen.

Der Erzähler ist ein österreichischer Stipendiat im finnischen Oulu, der langsam in ein dichtes Geflecht aus zwischenmenschlichen Beziehungen hineingezogen wird. Wie hast du diese Handlung entwickelt und es geschafft, den Überblick zu behalten?

Ich lasse mich anfangs immer gerne von allen Ideen verführen. Aber irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man mehr Übersicht benötigt. Man tritt einen Schritt zurück und versucht, das Ganze zu sehen. Das war eine Zeit, in der ich viel spazieren gegangen bin und über die Struktur nachgedacht habe, Szenen umgestellt und gestrichen habe. Vieles hat sich dann gut gefügt, immer halb im Blindflug, halb unter Sicht.

Als er aus Finnland zurückkommt, sieht dein Erzähler Wien mit anderen Augen. Wie sieht man die Welt – oder sollte sie sehen –, wenn man »Satus Katze« gelesen hat?

Also ich will eigentlich niemanden dazu bringen, die Welt nach der Lektüre meines Buches anders zu sehen. Mir ging es darum, eine Welt zu erzählen, die ein Stück anders ist, aber deswegen nicht weniger real. Im Text geht es auch darum, wie man sich die Welt gegenseitig erzählt und sich erklärt, warum etwas so ist wie es ist. Was uns wieder in die Welt der Sagen bringt.

Noch eine Frage zu dem Finlandia-Wodka, der gerade gegen Ende des Buches in hohen Dosen konsumiert wird: Kannst du den empfehlen? Oder ist er eher als abschreckendes Beispiel gedacht?

Empfehlung will ich keine aussprechen, aber ich hatte schon Erfahrung mit Finlandia Wodka, vor allem damals zu den »vappu« Feiern, bei denen ganz Finnland vom Busfahrer bis zum Bundespräsidenten – wie man in Wien sagt – »blunzenfett« ist. Alkoholismus ist in Finnland tatsächlich immer noch ein großes Problem. Auf einer Busfahrt saß damals ein völlig besoffenes Mädchen neben mir. Es war vielleicht zehn oder elf Jahre alt und war halb bewusstlos in den Sitz hineingesunken. Das hatte ich davor noch nie gesehen.

Constantin Göttfert, geboren 1979, lebt als freier Schriftsteller in Wien, studierte Germanistik in Wien und besuchte das Deutsche Literaturinstitut in Leipzig. Er veröffentlichte bislang drei Prosabände, zuletzt »In dieser Wildnis«, und erhielt eine Reihe von Preisen und Stipendien. »Satus Katze« ist sein erster Roman.

»Alle Menschen, die mir lieb sind, tragen den Lost-Stempel«

22.02.2012 16:23

Unter der schneeweißen Oberfläche brodelt es (Foto: Wing-Chi Poon)

Lisa Kränzler hat mit »EXPORT A« einen packenden Debütroman über eine Schülerin geschrieben, die sich in den Weiten Kanadas verliert. Wir haben ihr fünf Fragen zu »EXPORT A« gestellt.

Du arbeitest als bildende Künstlerin. Was war der Auslöser dafür, dass du jetzt einen Roman geschrieben hast?

Es waren vor allem die Probleme, vor welche mich die Malerei gestellt hat, die mein Schreiben gefördert haben. Allerdings sah ich meine Texte, die sich in keines der gängigen Prosagenres eingliedern ließen, immer in der bildenden Kunst, nicht in der Literatur, verortet. Ich hatte nicht vor einen Roman zu schreiben. Trotzdem hat mich das Schreiben irgendwann an den Punkt gebracht, an dem es plötzlich absolut notwendig schien, genau dies zu tun. Es musste sein. Das erste Kapitel löste eine Art Kettenreaktion aus, die zwangsläufig weitere Kapitel mit sich brachte und erst mit dem letzten Satz endete.

Für viele junge Menschen ist ein Austauschjahr im Ausland voller Abenteuer und Verheißung. Bei deiner Hauptfigur schlägt das schnell ins Gegenteil um. Warum?

Genau diese Frage, nämlich warum ihr all das zustößt, die Suche nach den Ursachen, ist eines der Kernthemen von »EXPORT A«. Das Dickicht der Ereignisse, in welches Lisa Kerz gerät, lässt dabei keine klare oder eindeutige Antwort zu. Deutlich wird dagegen vor allem, wie sehr sie die Umbrüche, die ihr Aufenthalt mit sich bringt, überfordern. Kanada raubt Lisa Stück für Stück jegliche Stabilität. Sie verliert die Geborgenheit ihres Elternhauses, ihren Glauben, ihre Unschuld, erfährt Einsamkeit, Zweifel und Verzweiflung. Zeit, sich an die neuen Zustände und Veränderungen zu gewöhnen, bleibt ihr nicht.

Christliche Erziehung und Hinterwäldler: Ist »EXPORT A« auch eine Abrechnung mit der nordamerikanischen Gesellschaft?

Nein. Die Nordamerikaner haben keine Rechnung bei mir offen. Allgemeine Aussagen über die Zustände innerhalb von Gesellschaften zu treffen, maße ich mir nicht an. Es interessiert mich auch nicht. Was mich interessiert ist das Spezifische, der Einzelfall, der sich präzise beleuchten und beobachten lässt, und nicht das allgemeine »große Ganze«, dessen Zusammenhänge man, wegen der unendlichen Anzahl von Faktoren, die auf dieses Ganze einwirken, niemals adäquat erkennen kann.

»EXPORT A« ist dein erster Roman. Hast du bestimmte Vorbilder oder siehst du Anknüpfungspunkte für dein Buch in der aktuellen Literaturlandschaft?

Ich habe keine Vorbilder – was nicht heißen soll, dass es keine Schriftsteller gibt, die ich bewundere. Aber man kann nun mal nicht mit den Gedanken eines anderen denken – und also auch nicht so schreiben… Da 98% meines Lesestoffs von Schriftstellern stammt, die bereits tot sind, ist die »aktuelle Literaturlandschaft« ein mir unbekanntes Terrain. Die Aufgabe, mich in diese Landschaft einzuordnen, werden daher andere übernehmen müssen.

Weißt du schon, was dein nächstes Projekt sein wird? Woran arbeitest du gerade, und wo kann man deine Bilder sehen?

Mein »Projekt« besteht seit Jahren vor allem darin, so viel und so ungestört wie möglich zu arbeiten, sprich zu malen und zu schreiben. Das werde ich auch weiterhin tun. Was meine Bilder angeht: Momentan habe ich keine Ausstellung. Es gibt daher leider kein konkretes wo, auf das ich verweisen könnte. Einen groben Einblick in das, was ich malerisch so mache, geben meine Seiten im Meisterschülerkatalog TOP 11 der Kunstakademie Karlsruhe, den ich an dieser Stelle wärmstens empfehle.

Lisa Kränzlers Roman »EXPORT A« ist im Verbrecher Verlag erschienen, hat 256 Seiten und kostet 21 €.

Zum Buch bei TUBUK »

Die Abenteuer von Carl Weissner

25.01.2012 09:30

Der einzige echte deutsche Beat-Poet, der Charles Bukowski und William S. Burroughs aus nächster Nähe kannte, gibt uns zum 70. Geburtstag von Bob Dylan eine kurze Mitteilung zum Stand der Dinge.

Herr Weissner, Sie haben Dylan, Burroughs und Bukowski übersetzt – jetzt erscheint mit »Die Abenteuer von Trashman« nach »Manhattan Muffdiver« ihr zweiter Roman im Milena Verlag. Wie kam es eigentlich zu der Zusammenarbeit?

Der Milena Verlag hat meine Übersetzung von J.G. Ballards »Liebe & Napalm« (1970) neu herausgebracht – in einer tollen Reihe namens Exquisite Corpse. Wir waren uns einig: Da passt eigentlich auch der Autor Weissner ganz gut rein.

Von Chandra K. bis Eileen Myles: »Manhattan Muffdiver« steckt voller Zitate und Anspielungen auf alle Spielarten der Populärkultur: Ein lustvolles Spiel mit Texten! Was sagen Sie denn dagegen zu den Plagiatsdebatten von Hegemann bis Baron zu Guttenberg?

Guttenberg war schon indiskutabel, bevor er aufgeflogen ist. Helene Hegemann hat einen Satz gesagt, der zu wenig beachtet wurde, obwohl er direkt auf den Kern der verlogenen Debatte zielt: »Die hacken auf mir herum, weil ich häßlich bin.«

IWF-Chef Strauss-Kahn als Sex-Gangster verhaftet, nuklearer Fallout in Japan, ein durchgeknallter Diktator in Libyen: Eigentlich bestes Material für den nächsten Roman, oder? Oder sind die USA als Thema schon verrückt genug?

Nicht mein Ding. Aktuellen Ereignissen nachjagen, das ist etwas für Teams, die besonders schnell sind.

Was wäre ihre Idealbesetzung für eine Verfilmung von »Manhattan Muffdiver«?

Wahrscheinlich müßte man es von den Insassen eines Irrenhauses nachspielen lassen. Die können mitreden.

Und noch einmal Bob Dylan: Der kann sich dieser Tage über einen runden Geburtstag freuen – er wird 70. Ihre Grußbotschaft?

Bob, lass dich von einem Hologramm vertreten und spanne mal unter Palmen aus. Wer sich mit siebzig immer noch nicht zurücklehnt, mit dem stimmt was nicht.

Carl Weissner studierte Amerikanistik an den Universitäten Heidelberg und Bonn, gab Ende der Sechziger Jahre eine Underground-Zeitschrift heraus und erforschte mit einem Fulbright-Stipendium die literarische Alternativszene in New York und San Francisco. Anschließend übersetzte er viele Jahre lang seine amerikanischen und britischen Freunde ins Deutsche: Bukowski, Burroughs, Algren, Ginsberg, J.G. Ballard. Bekannt wurde er als einer der wenigen Literaturagenten, die ihre Autoren europaweit vertreten (Bukowski, Paul Bowles, John Fante). Sein erster Roman erschien 1970 in San Francisco; sein neuester, Death in Paris, ist auf der Burroughs-Website www.realitystudio.org zu lesen.

Bei TUBUK gibt es einiges von Carl Weissner zu entdecken: die Übersetzung von Liebe & Napalm (2008) und Toby Barlows Scharfe Zähne (2009), zu dem er das Vorwort schrieb. Dann natürlich seine eigenen Bücher Manhattan Muffdiver und, im Herbst ganz neu, Die Abenteuer von Trashman!