Der einzige echte deutsche Beat-Poet, der Charles Bukowski und William S. Burroughs aus nächster Nähe kannte, gibt uns zum 70. Geburtstag von Bob Dylan eine kurze Mitteilung zum Stand der Dinge.
Herr Weissner, Sie haben Dylan, Burroughs und Bukowski übersetzt – jetzt erscheint mit »Die Abenteuer von Trashman« nach »Manhattan Muffdiver« ihr zweiter Roman im Milena Verlag. Wie kam es eigentlich zu der Zusammenarbeit?
Der Milena Verlag hat meine Übersetzung von J.G. Ballards »Liebe & Napalm« (1970) neu herausgebracht – in einer tollen Reihe namens Exquisite Corpse. Wir waren uns einig: Da passt eigentlich auch der Autor Weissner ganz gut rein.
Von Chandra K. bis Eileen Myles: »Manhattan Muffdiver« steckt voller Zitate und Anspielungen auf alle Spielarten der Populärkultur: Ein lustvolles Spiel mit Texten! Was sagen Sie denn dagegen zu den Plagiatsdebatten von Hegemann bis Baron zu Guttenberg?
Guttenberg war schon indiskutabel, bevor er aufgeflogen ist. Helene Hegemann hat einen Satz gesagt, der zu wenig beachtet wurde, obwohl er direkt auf den Kern der verlogenen Debatte zielt: »Die hacken auf mir herum, weil ich häßlich bin.«
IWF-Chef Strauss-Kahn als Sex-Gangster verhaftet, nuklearer Fallout in Japan, ein durchgeknallter Diktator in Libyen: Eigentlich bestes Material für den nächsten Roman, oder? Oder sind die USA als Thema schon verrückt genug?
Nicht mein Ding. Aktuellen Ereignissen nachjagen, das ist etwas für Teams, die besonders schnell sind.
Was wäre ihre Idealbesetzung für eine Verfilmung von »Manhattan Muffdiver«?
Wahrscheinlich müßte man es von den Insassen eines Irrenhauses nachspielen lassen. Die können mitreden.
Und noch einmal Bob Dylan: Der kann sich dieser Tage über einen runden Geburtstag freuen – er wird 70. Ihre Grußbotschaft?
Bob, lass dich von einem Hologramm vertreten und spanne mal unter Palmen aus. Wer sich mit siebzig immer noch nicht zurücklehnt, mit dem stimmt was nicht.
Carl Weissner studierte Amerikanistik an den Universitäten Heidelberg und Bonn, gab Ende der Sechziger Jahre eine Underground-Zeitschrift heraus und erforschte mit einem Fulbright-Stipendium die literarische Alternativszene in New York und San Francisco. Anschließend übersetzte er viele Jahre lang seine amerikanischen und britischen Freunde ins Deutsche: Bukowski, Burroughs, Algren, Ginsberg, J.G. Ballard. Bekannt wurde er als einer der wenigen Literaturagenten, die ihre Autoren europaweit vertreten (Bukowski, Paul Bowles, John Fante). Sein erster Roman erschien 1970 in San Francisco; sein neuester, Death in Paris, ist auf der Burroughs-Website www.realitystudio.org zu lesen.
Bei TUBUK gibt es einiges von Carl Weissner zu entdecken: die Übersetzung von Liebe & Napalm (2008) und Toby Barlows Scharfe Zähne (2009), zu dem er das Vorwort schrieb. Dann natürlich seine eigenen Bücher Manhattan Muffdiver und, im Herbst ganz neu, Die Abenteuer von Trashman!

