Unter der schneeweißen Oberfläche brodelt es (Foto: Wing-Chi Poon)
Lisa Kränzler hat mit »EXPORT A« einen packenden Debütroman über eine Schülerin geschrieben, die sich in den Weiten Kanadas verliert. Wir haben ihr fünf Fragen zu »EXPORT A« gestellt.
Du arbeitest als bildende Künstlerin. Was war der Auslöser dafür, dass du jetzt einen Roman geschrieben hast?
Es waren vor allem die Probleme, vor welche mich die Malerei gestellt hat, die mein Schreiben gefördert haben. Allerdings sah ich meine Texte, die sich in keines der gängigen Prosagenres eingliedern ließen, immer in der bildenden Kunst, nicht in der Literatur, verortet. Ich hatte nicht vor einen Roman zu schreiben. Trotzdem hat mich das Schreiben irgendwann an den Punkt gebracht, an dem es plötzlich absolut notwendig schien, genau dies zu tun. Es musste sein. Das erste Kapitel löste eine Art Kettenreaktion aus, die zwangsläufig weitere Kapitel mit sich brachte und erst mit dem letzten Satz endete.
Für viele junge Menschen ist ein Austauschjahr im Ausland voller Abenteuer und Verheißung. Bei deiner Hauptfigur schlägt das schnell ins Gegenteil um. Warum?
Genau diese Frage, nämlich warum ihr all das zustößt, die Suche nach den Ursachen, ist eines der Kernthemen von »EXPORT A«. Das Dickicht der Ereignisse, in welches Lisa Kerz gerät, lässt dabei keine klare oder eindeutige Antwort zu. Deutlich wird dagegen vor allem, wie sehr sie die Umbrüche, die ihr Aufenthalt mit sich bringt, überfordern. Kanada raubt Lisa Stück für Stück jegliche Stabilität. Sie verliert die Geborgenheit ihres Elternhauses, ihren Glauben, ihre Unschuld, erfährt Einsamkeit, Zweifel und Verzweiflung. Zeit, sich an die neuen Zustände und Veränderungen zu gewöhnen, bleibt ihr nicht.
Christliche Erziehung und Hinterwäldler: Ist »EXPORT A« auch eine Abrechnung mit der nordamerikanischen Gesellschaft?
Nein. Die Nordamerikaner haben keine Rechnung bei mir offen. Allgemeine Aussagen über die Zustände innerhalb von Gesellschaften zu treffen, maße ich mir nicht an. Es interessiert mich auch nicht. Was mich interessiert ist das Spezifische, der Einzelfall, der sich präzise beleuchten und beobachten lässt, und nicht das allgemeine »große Ganze«, dessen Zusammenhänge man, wegen der unendlichen Anzahl von Faktoren, die auf dieses Ganze einwirken, niemals adäquat erkennen kann.
»EXPORT A« ist dein erster Roman. Hast du bestimmte Vorbilder oder siehst du Anknüpfungspunkte für dein Buch in der aktuellen Literaturlandschaft?
Ich habe keine Vorbilder – was nicht heißen soll, dass es keine Schriftsteller gibt, die ich bewundere. Aber man kann nun mal nicht mit den Gedanken eines anderen denken – und also auch nicht so schreiben… Da 98% meines Lesestoffs von Schriftstellern stammt, die bereits tot sind, ist die »aktuelle Literaturlandschaft« ein mir unbekanntes Terrain. Die Aufgabe, mich in diese Landschaft einzuordnen, werden daher andere übernehmen müssen.
Weißt du schon, was dein nächstes Projekt sein wird? Woran arbeitest du gerade, und wo kann man deine Bilder sehen?
Mein »Projekt« besteht seit Jahren vor allem darin, so viel und so ungestört wie möglich zu arbeiten, sprich zu malen und zu schreiben. Das werde ich auch weiterhin tun. Was meine Bilder angeht: Momentan habe ich keine Ausstellung. Es gibt daher leider kein konkretes wo, auf das ich verweisen könnte. Einen groben Einblick in das, was ich malerisch so mache, geben meine Seiten im Meisterschülerkatalog TOP 11 der Kunstakademie Karlsruhe, den ich an dieser Stelle wärmstens empfehle.
Lisa Kränzlers Roman »EXPORT A« ist im Verbrecher Verlag erschienen, hat 256 Seiten und kostet 21 €.




